Die Infrastruktur

Die Epic-Infrastruktur, Schicht für Schicht

Das KIS Epic ist nicht ein einzelnes System. Ein klinischer Klick läuft durch fünf Schichten, vom Gerät am Krankenbett bis zur operativen Datenbank. Zwei weitere liegen neben diesem Weg: Analytics, das mit einer Kopie der Daten arbeitet, und das Fundament, das alles trägt. Diese Seite geht alle sieben durch: was dort läuft, wie ein Ausfall auf Station aussieht und welche Expertise gebraucht wird.

Dies ist ein allgemeiner Überblick über verbreitete Architekturmuster. Die Schichten zeigen Abhängigkeiten, keinen Netzwerk-Trace: Jeder Klick ist auf sie angewiesen, aber nicht jede Anfrage durchläuft jeden Dienst. Jede Organisation ist anders aufgebaut, und massgeblich bleiben die Dokumentation und Vorgaben von Epic. Produktnamen beschreiben typische Umgebungen und sind keine Empfehlung.

01

Endgerät & Peripherie

Hier arbeitet das klinische Personal: Thin Clients und Arbeitsplätze, Visitenwagen und alle angeschlossenen Geräte. Die mobilen Apps von Epic erweitern diese Schicht: Mit Rover scannen Pflegende Armbänder und Medikamente mit der Handykamera, Haiku auf dem Smartphone und Canto auf dem iPad bringen die Akte zu Ärztinnen und Ärzten unterwegs. Die Apps verbinden sich über Interconnect und sind auf Gerätemanagement und lückenloses WLAN angewiesen.

Benötigte Expertise

  • Integration von Endgeräten und Peripherie in Epic
  • Gerätekonfiguration, Treiber sowie USB- und serielle Umleitung
  • Druckrouting zum richtigen Gerät am richtigen Ort
  • Mobile Device Management für geteilte und persönliche Geräte
  • Enge Zusammenarbeit mit Klinik- und Workplace-Teams

Führende RollenECSA, Identität & Workplace

Was hier läuft

  • Thin Clients & PCs
  • Visitenwagen (WoW)
  • Badge-Leser
  • Etiketten- & Armbanddrucker
  • Barcode-Scanner
  • Unterschriften-Pads
  • Treiber & Geräteumleitung
  • Smartphones & Tablets: Rover, Haiku, Canto

Wenn es ausfällt

Ein Scanner, der keinen Barcode erkennt, oder ein Etikettendrucker, der an der falschen Station druckt, stoppt Medikamentengabe und Probenentnahme direkt am Krankenbett.

02

Identität & Zugriff

Klinisches Personal teilt Arbeitsplätze und wechselt sie den ganzen Tag. Ein schneller, sicherer Benutzerwechsel ist eine klinische Anforderung, kein Komfort.

Benötigte Expertise

  • Verzeichnisdienste und Gruppenrichtlinien-Design
  • SSO-Integration mit Epic und Citrix-Sitzungen
  • Authentifizierung über mehrere Sitzungs-Hops
  • Sicherheitsvorgaben und klinische Abläufe ausbalancieren

Führende RollenIdentität & Workplace

Was hier läuft

  • Active Directory
  • Single Sign-on (Badge-Tap)
  • Multi-Faktor-Authentifizierung
  • Gruppenrichtlinien
  • Rollen- und Sicherheitsmodelle
  • Zertifikate

Wenn es ausfällt

Wenn die Anmeldung scheitert oder langsam ist, wartet das Personal an jedem Arbeitsplatz. Schnell entstehen Workarounds wie geteilte Konten, und damit ein Sicherheits- und Audit-Problem.

03

Application Delivery

Hyperdrive ist heute der Standard-Client von Epic. Die meisten Organisationen haben damit 2022 und 2023 den klassischen Hyperspace-Client abgelöst; Hyperspace bleibt der Name der Anwendung selbst. Die zentrale Designfrage ist, wie Hyperdrive zum Arbeitsplatz kommt: lokal auf dem Endgerät installiert oder über Citrix Virtual Apps and Desktops bereitgestellt. Viele Krankenhäuser kombinieren beides. Wird Hyperdrive über Citrix veröffentlicht und aus einem virtuellen Desktop heraus gestartet, kommen Double-Hop-Sitzungen und Single Sign-on über mehrere Hops ins Spiel.

Benötigte Expertise

  • Citrix-Architektur, Image-Management und Kapazitätsplanung
  • Hyperdrive-Bereitstellung: lokal, über Citrix oder beides
  • Performance-Analyse von der Anmeldung bis zum Arbeitskontext
  • Abstimmung von Client-Releases mit ECSA und Plattform-Team

Führende RollenApplication Delivery

Was hier läuft

  • Hyperdrive
  • Citrix Virtual Apps and Desktops
  • StoreFront & Delivery Controller
  • Session Hosts (VDAs)
  • Citrix Provisioning (PVS)
  • NetScaler Gateway
  • Lokale Client-Verteilung
  • Profilverwaltung

Wenn es ausfällt

Langsame Anmeldungen, hängende Sitzungen, ein fehlerhaftes Image oder ein defektes Client-Paket treffen alle betroffenen Benutzerinnen und Benutzer gleichzeitig. Startzeit der Sitzung ist klinische Arbeitszeit.

04

Web- & Integrationsdienste

Hyperdrive ist Epics eigener Browser für Hyperspace Web. Hyperspace Web läuft auf Webservern hinter Load Balancern und verarbeitet die Anwendungslogik jedes Klicks, bevor die Daten die Datenbank erreichen. Darum herum verbinden weitere Windows- und Webserver Epic mit Patientinnen und Patienten, mobilen Geräten, Dokumenten, Druckern und anderen Systemen. Interconnect trägt die Webdienste von Epic, auch für die mobilen Apps, für FHIR- und andere APIs und für Care Everywhere, den Austausch von Patientendaten zwischen Organisationen mit Epic und anderen interoperablen KIS. Bridges ist das Schnittstellenmodul von Epic für nachrichtenbasierte Schnittstellen wie HL7 v2. Die meisten Krankenhäuser setzen zusätzlich einen eigenen Kommunikationsserver zwischen Bridges und die vielen Abteilungs-, regionalen und nationalen Systeme.

Benötigte Expertise

  • Windows-Server- und IIS-Administration
  • Load Balancing, TLS-Zertifikate, DNS und sicherer externer Zugriff
  • Betrieb des Kommunikationsservers: Hochverfügbarkeit, Queue-Monitoring, Nachrichten erneut senden
  • Epic-Druckinfrastruktur

Führende RollenECSA

Was hier läuft

  • Hyperspace Web (HSWeb)
  • Interconnect-Webservices
  • Bridges-Schnittstellen
  • Kommunikationsserver
  • Care Everywhere
  • MyChart-Patientenportal
  • Web-BLOB-Dokumentenspeicher
  • Epic Print Service
  • IIS, Load Balancer & Zertifikate

Wenn es ausfällt

Je nach betroffenem Dienst kann das klinische Personal nicht in Hyperspace arbeiten, Aufträge und Befunde fliessen nicht mehr, Dokumente öffnen sich nicht, mobile Apps oder das Patientenportal sind nicht erreichbar, oder nichts wird gedruckt. Nachrichten stauen sich in Warteschlangen und müssen nach der Wiederherstellung in der richtigen Reihenfolge verarbeitet werden.

05

Operative Datenbank

Im Kern liegt Chronicles, die operative Datenbank von Epic. Sie läuft auf InterSystems IRIS (Nachfolger von Caché) auf Linux- oder AIX-Servern. Die Produktion läuft auf einem einzigen aktiven Datenbankserver. IRIS-Mirroring repliziert ihre Daten asynchron und nahezu in Echtzeit auf einen Report-Mirror für das operative Reporting und den täglichen Clarity-Extrakt sowie auf einen Disaster-Recovery-Mirror an einem zweiten Standort. Je nach Design schützt zusätzlich ein Failover-Partner den Produktionsserver. Bei einem kurzen Ausfall arbeiten die Anwenderinnen und Anwender lesend auf dem Report-Mirror weiter; bei längeren Ausfällen übernimmt der Disaster-Recovery-Mirror mit Lese- und Schreibzugriff.

Benötigte Expertise

  • ODBA: IRIS-Administration, Journaling und Mirroring
  • Linux- oder AIX-Systemadministration und Tuning
  • Storage-Performance und Kapazitätsplanung
  • Übungen für Failover, Read-only-Betrieb und DR-Aktivierung

Führende RollenODBA

Was hier läuft

  • Chronicles
  • InterSystems IRIS (Nachfolger von Caché)
  • Linux- oder AIX-Server
  • Mirroring & Failover
  • Report-Mirror
  • Disaster-Recovery-Mirror
  • All-Flash Enterprise Storage

Wenn es ausfällt

Hier liegen die Patientendaten selbst. Datenbanklatenz spürt man bei jedem Klick; ein Ausfall versetzt das ganze Krankenhaus in den Downtime-Betrieb.

06

Analytics-Infrastruktur

Reporting in Epic arbeitet auf zwei Ebenen. Operative Berichte wie Reporting Workbench arbeiten mit nahezu aktuellen Chronicles-Daten auf dem Report-Mirror; Radar-Dashboards kombinieren solche Berichte mit weiteren Quellen. Für tiefere Analysen kopiert ein täglicher Extrakt die Daten aus dem Report-Mirror in Clarity, eine relationale Datenbank, und weiter in Caboodle, das Data Warehouse. Cogito ist der Oberbegriff für diese Werkzeuge. Epic löst Oracle als Datenbank für Cogito ab; neue Umgebungen laufen auf Microsoft SQL Server, im eigenen Rechenzentrum oder in der Cloud.

Benötigte Expertise

  • Administration von Microsoft SQL Server
  • Planung der Ablösung von Oracle, wo es noch läuft
  • ETL-Überwachung und Steuerung der Ladefenster
  • Kapazitätsplanung für Datenwachstum

Führende RollenCogito / Analytics-Infrastruktur

Was hier läuft

  • Reporting Workbench & Radar
  • Clarity
  • Caboodle
  • Täglicher Extrakt aus dem Report-Mirror
  • Microsoft SQL Server
  • Oracle (wird abgelöst)
  • Ladefenster & Zeitpläne

Wenn es ausfällt

Ein fehlgeschlagener oder verspäteter Clarity-Ladelauf bedeutet fehlende Berichte, falsche Zahlen in Qualitäts- und Finanzberichten und Entscheidungen auf Basis von gestern.

07

Fundament

Alles darüber läuft auf einem gemeinsamen Fundament aus Hypervisoren, Storage, Netzwerken, Firewalls, Backup und Rechenzentren oder Cloud.

Benötigte Expertise

  • Betrieb von Virtualisierung und Hypervisoren
  • Storage- und Backup-Architektur
  • Netzwerkdesign, Segmentierung und Firewalls
  • Infrastruktur-Monitoring und Lifecycle-Management

Führende RollenPlattform & Infrastruktur, Netzwerk & Security

Was hier läuft

  • Hypervisoren
  • Enterprise Storage
  • Rechenzentrumsnetz
  • Klinisches WLAN
  • Firewalls
  • Backup & Recovery
  • Load Balancing
  • Rechenzentren & Cloud
  • Monitoring

Wenn es ausfällt

Ein Problem im Fundament sieht selten wie eines aus. Es zeigt sich als langsames Epic, abgebrochene Sitzungen oder eine gestörte Schnittstelle, oft in mehreren Schichten zugleich.

Über alle Schichten

Vier Disziplinen, die jede Schicht betreffen

Business Continuity

Die klinische Arbeit darf nicht stoppen, wenn Epic nicht verfügbar ist. Business-Continuity-Access-Arbeitsplätze (BCA) und gedruckte oder lokal gespeicherte Downtime-Reports sichern die Versorgung bei geplanten und ungeplanten Ausfällen. Bei kurzen Ausfällen wechseln die Anwenderinnen und Anwender auf eine Nur-Lese-Kopie auf dem Report-Mirror; bei längeren Ausfällen wird der Disaster-Recovery-Mirror aktiviert und übernimmt mit Lese- und Schreibzugriff. BCA-Arbeitsplätze, ihre Drucker, ihre Zeitpläne und die Umschaltung auf einen Mirror müssen genauso regelmässig getestet werden wie das Hauptsystem.

Security

Härtung, Patching, Segmentierung, Zertifikate und privilegierte Zugriffe betreffen jede Schicht. Im Krankenhaus kann eine Sicherheitsänderung einen klinischen Ablauf blockieren. Sie muss deshalb an repräsentativen Arbeitsplätzen getestet und stufenweise eingeführt werden.

Monitoring und Betrieb

Performance-Probleme liegen selten dort, wo sie zuerst auffallen. System Pulse von Epic zeigt die Live-Performance und den Systemzustand und löst Alarme aus, System Pulse Analytics wertet langfristige Trends und die Kapazität aus. Teams kombinieren beides mit Citrix-, Netzwerk- und Infrastruktur-Monitoring, gemeinsamen Messpunkten vom Endgerät bis zur Datenbank, klarer Bereitschaftsverantwortung und Runbooks, mit denen auch der Service Desk arbeiten kann.

Change und Upgrades

Epic-Upgrades, Windows- und Citrix-Updates, Firmware und Datenbankwartung müssen in knappe Wartungsfenster passen. Gutes Change Management stimmt alle Teams auf einen gemeinsamen Zeitplan ab.

Deutschland · Österreich · Schweiz

Was im DACH-Raum anders ist

Epic wurde in den USA entwickelt. Im DACH-Raum muss es an nationale eHealth-Infrastrukturen angebunden werden und unter europäischem und Schweizer Recht laufen. Ein grosser Teil dieser Arbeit landet bei den Infrastruktur-Teams.

Deutschland: Telematikinfrastruktur

Krankenhäuser binden sich über TI-Konnektoren oder das neuere TI-Gateway an die TI an. Heilberufsausweise (eHBA) stecken in Kartenterminals am Arbeitsplatz und sind damit ein Endgeräte-Thema. Institutionskarten (SMC-B) stecken meist in zentralen Kartenterminals; mit dem TI-Gateway kann ein HSM-B, ein Hardware-Sicherheitsmodul im Rechenzentrum des Gateway-Anbieters, ihre Rolle übernehmen. Darauf laufen KIM, die elektronische Patientenakte (ePA) und das E-Rezept. Wie jedes dieser Teile mit Epic zusammenspielt, muss vor Ort konzipiert und getestet werden.

Schweiz: EPD und bestehende Systeme

Spitäler sind über zertifizierte Gemeinschaften an das elektronische Patientendossier (EPD) angeschlossen; der Bund will das EPD durch das elektronische Gesundheitsdossier (E-GD) ablösen, das frühestens 2030 in Betrieb gehen kann. Die Abrechnung bleibt oft in einem bestehenden System neben Epic, etwa SAP IS-H oder ein Nachfolgeprodukt. Das bringt zusätzliche Schnittstellen und gemeinsame Wartungsfenster. Epic nennt Schweiz-spezifische Integrationen wie den eMediplan und den Austausch von Falldaten mit Aufnahme- und Abrechnungssystemen. Der Datenschutz folgt dem revidierten Datenschutzgesetz (DSG) und kantonalem Recht.

Österreich: ELGA und e-card

ELGA, die elektronische Gesundheitsakte, und das e-card-System verbinden Krankenhäuser mit den nationalen eHealth-Diensten. Nach unserem Kenntnisstand hat sich noch kein österreichisches Krankenhaus für Epic entschieden; Erfahrung kommt daher aus Projekten in den Nachbarländern.

Security-Regulierung

In Deutschland gelten die NIS2-Regeln seit Dezember 2025, in Österreich die Pflichten des NISG 2026 seit Oktober 2026. In der Schweiz müssen kritische Infrastrukturen, darunter Listenspitäler, meldepflichtige Cyberangriffe seit April 2025 innerhalb von 24 Stunden nach ihrer Entdeckung dem Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) melden. Viele Nachweise kommen von den Infrastruktur-Teams: Logging, Patching, Segmentierung und getestete Wiederherstellung.

Datenhaltung und Betrieb

Wo Daten gespeichert werden, wer die Systeme betreibt und wer von wo darauf zugreifen kann, sind zentrale Fragen in jedem Epic-Projekt im DACH-Raum, egal ob die Plattform im eigenen Rechenzentrum, gehostet oder in der Cloud läuft.

Zwei Arbeitssprachen

Klinische Anwenderinnen und Anwender arbeiten mit Epic auf Deutsch oder Französisch, während technische Dokumentation, Herstellerkontakte und ein grosser Teil des Fachaustauschs auf Englisch laufen. Infrastruktur-Teams wechseln täglich zwischen beiden.

Stand Oktober 2026. Gesetze und nationale eHealth-Spezifikationen ändern sich; massgeblich sind die aktuellen Rechtstexte und Spezifikationen für die eigene Organisation.

Technologiefelder

Zehn Felder unter der Epic-Plattform

Die Fundament-Schicht verbindet viele Technologien. Produktnamen sind Beispiele und keine Aussage über eine bestimmte Organisation.

Virtualisierung

Citrix Virtual Apps and Desktops, Citrix Provisioning

Hypervisoren

XenServer, VMware by Broadcom, Nutanix

Windows Server

Active Directory, DNS, DHCP, GPO, Druck, Dateidienste

Backup

Veeam, Commvault, Rubrik

Storage

Everpure (vormals Pure Storage), NetApp, Dell, HPE

Netzwerk

Cisco, HPE, Juniper

Firewall & Security

Fortinet, Palo Alto, Sophos

Load Balancing

F5, NetScaler, HAProxy, NGINX

Datenbanken

InterSystems IRIS, Caché (Legacy), Microsoft SQL Server, Oracle (Legacy)

Cloud & Hosting

Microsoft Azure, AWS, Epic Hosting